Auf dem Platz: Furnas, Sao Miguel, Azoren

An einem unglaublich schönen Morgen Mitte September fuhr ich nach Furnas. Der Parkplatz war völlig leer und stellte damit eine Vorschau auf den Platz und das Clubhaus dar. Außer dem Manager und den zwei Mitarbeitern der Bar war ich der Einzige auf der Anlage. Ich nahm ein schnelles Frühstück ein und folgte dann dem Manager zum Pro-Shop.

Dort bekam ich das gleiche Angebot wie schon ein paar Tage zuvor in Batalha, zahlte also für das Greenfee, einen Satz Schläger und ein Cart 93€. Ich hatte noch Lust darauf, mich vor der Runde ein bisschen auf der Range zu entspannen. Der Weg dorthin überraschte mich: Ich wurde um das Clubhaus herum geführt und der Manager wies auf das 15. Loch. Dieses war die Range. Also: Nicht daneben, sondern auf dem Loch. Interessant, aber wer bin ich, zu richten? Jedenfalls hatte ich zu Beginn der Runde nun also schon einen Eindruck von der Anlage und dem, was vor mir lag: Hübsche Japanische Zedern säumten die Fairways, die Vegetation war so üppig und reichhaltig wie überall auf Sao Miguel und das Wetter war phantastisch. Was kann man sich von einem Tag, an dem nichts als Golf auf dem Programm steht, noch wünschen?

Auf dem Platz sind einige wirklich schöne Bahnen. Ich mochte vor allem die Reihe vom 4. bis zum 6. Loch: Zunächst ein anspruchsvolles Par 4, dessen Grün sehr gut von Bunkern bewacht wird. Dann ein Par 5 mit einem blinden Dogleg nach rechts, bei dem man mit allem Selbstvertrauen über die Pflanzen auf der rechten Seite abkürzen kann und sollte. Es fragt sich nur in welchem Winkel. Dann ein kurzes Par 4, bei dem man über einen Vulkanhügel abkürzen kann, wenn man möchte. Gelingt dies, dann hat man nur noch ein halbes Wedge ins Grün. Vermutlich könnte man auch das Grün direkt erreichen. Ich aber nicht.

Danach kommen einige nette, aber eher durchschnittliche Löcher. Hier ist der Platz, der schon 1936 entstanden ist, 1986 um neun Loch erweitert worden und daher fühlt es sich ein wenig künstlich an, tut dem Vergnügen aber kaum einen Abbruch. Auf der Back 9 gibt es aber wieder viel Spaß, der mit zwei tollen Löchern zum Schluss abgerundet wird. Die 17 ist ein Par 4 mit einer Kontur, die an schottische Plätze erinnert. Links vom Grün ist dann noch ein Wasserhindernis. Die 18, ein Par 5, hat einen sehr speziellen Abschlag, bei dem man auf eine höhere Ebene schlagen muss. Auf dem Fairway sind gut platzierte Bunker zu vermeiden und das Grün ist sehr stark onduliert. Ein toller Abschluss.

Nach der Runde wurde ich leider ein wenig enttäuscht: Dass die Auswahl für das Mittagessen nicht gerade üppig war, ist angesichts des leeren Platzes absolut in Ordnung. Aber als ich um 15 Uhr zu einer zweiten Runde aufbrechen wollte, teilte mir der Manager mit, dass die gesamte Ausrüstung bis 17 Uhr wieder zurückgegeben sein müsse, da das Clubhaus dann schließen würde. Auch hier habe ich Verständnis dafür, dass das Personal für die wenigen Gäste nicht bis spät in den Abend hinein bleiben wollen und müssen. Aber dennoch frage ich mich, ob es nicht eine freundlichere Lösung gegeben hätte ("Lassen Sie alles einfach hinter dem Clubhaus stehen"). Hätte es vielleicht, gab es aber nicht. Da ich aber in Golflaune war: Eine Stunde und 50 Minuten später war ich wieder am Clubhaus. Irgendwie ärgerlich war, dass ich dort eine kleine Gruppe von Spielern vorfand, die nicht wirkten, als hätten sie es besonders eilig.

Nun, ich hatte nichtsdestotrotz einen wunderbaren Golftag, auch wenn so ein leicht betrübtes Gefühl übrig bleibt.

Einige Tage vorher hatte ich bereits den landschaftlichen Höhepunkt der Insel Sao Miguel gesehen, als ich ein tolle Wanderung um die beiden Vulkanseen von Sete Citades machte. Es war also nicht damit zu rechnen, dass mich die Umgebung über die Maßen würde begeistern können. Vielleicht war es dieser Eindruck, der mich der Einschätzung anderer Azorengolfer widersprechen lässt: Furnas alleine ist nicht die Reise auf die Azoren wert. Aber es gibt jede Menge anderer Gründe, diese beeindruckende Reise zu unternehmen. Und wenn man dort ist, dann sollte man es als begeisterter Golfer nicht unterlassen, Furnas zu spielen. Es ist ein (nicht großartiger, aber) sehr guter Golfplatz.

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