Auf dem Platz: Golf de Sperone, Korsika

Zunächst das Fazit: Golf und Korsika geht, rennt aber nicht.
Korsika sollte in diesem Jahr das Ziel des Spätsommerurlaubs sein. Schon aufgrund der offensichtlichen Topologie der Insel ist sie nicht gerade prädestiniert für Golfplätze, zumindest nicht dann, wenn man schon einige Plätze im Sauerland als etwas gequälten Versuch empfindet, einen Golfplatz an Stellen zu bauen, an die man keine Golfplätze hätte bauen sollen. Abgesehen von einem sehr schmalen Küstenstreifen gibt es auf dieser wunderschönen Insel eigentlich ausschließlich Hügel, Anhöhen, Erhebungen, Steigungen, Berge und deren jeweiliges Gegenteil.

 

Ich bin zwar immer etwas überrascht, dass es zu so einem Umstand verschiedene Informationen geben kann - wer hätte gedacht, dass das Wort des Jahres 2016 auch auf Gebirge anwendbar ist? -, aber je nach Quelle hat die Insel 50 bis 120 Gipfel über 2000 Meter. Einige sind es jedenfalls.
Es überrascht also nicht sonderlich, dass es nur einen einzigen wirklich erwähnenswerten Platz dort gibt: Golf de Sperone. Dieser liegt ganz im Süden der Insel, in der Nähe der bezaubernden auf Kreideklippen gebauten Stadt Bonifacio. Aus nördlicher Richtung kommend führte das Navi uns durch eine ziemlich lange und sehr enge Gasse, die beidseitig von Natursteinmauern begrenzt war. Das finde ich ja schon mal grundsätzlich ansprechend. Das Golfgelände selbst ist dann noch von einem Vorposten mit Schranke gesichert. Später las ich, dass ein ehemaliger Militärflieger den Platz gebaut hat; möglicherweise hat sein antrainiertes Sicherheitsbedürfnis zu dieser Hürde geführt. Die Schranken öffneten sich dann allerdings prompt und ohne weitere Nachfrage wie von Zauberhand und es folgte noch mal eine zwei-, dreiminütige Fahrt bis man am Clubhaus ankam.
Wie viele der Häuser in diesem recht exklusiven Küstenabschnitt ist das Clubhaus mit vertikal verlaufenden, glatt geschliffenen, grau-braunen Holzlatten verkleidet. Der Parkplatz war ca. zu einem Drittel gefüllt und auch vor dem Büro des Caddiemasters konnte man erahnen, dass noch eine Startzeit zu haben sein würde, denn ein riesiger Fuhrpark von Golfcarts stand dort ungenutzt herum. Der erste Eindruck der Anlage war ein guter: Üppiger Randbewuchs, das tiefblaue Meer im Hintergrund, die Fairways sahen aus der Distanz gut bewachsen aus. Zu meiner großen Erleichterung war man hier darauf eingestellt, dass die Gäste nicht so großartiges Französisch sprechen können und Englisch als Kommunikationsmöglichkeit in Frage kam. Ich nehme zwar irgendwie an, dass das Aushandeln einer Runde Golf auch non-verbal möglich gewesen wäre, aber so war es doch sehr viel einfacher. Im Vorfeld hatte ich gelesen, dass dringend dazu geraten wird, ein Cart zu mieten, wenn man den Platz bespielen möchte. Da meine einleitenden Worte ja bereits angedeutet haben, dass ich mir durchaus vorzustellen bereit war, dass diese Empfehlung eine gute sein könnte, investierte ich also in ein passendes Fahrzeug und wurde somit gebeten, insgesamt 127 € zu zahlen. Neben einer 18 Loch-Runde und dem Buggy war in diesem Betrag noch ein Birdiebook enthalten. Der Preis war insgesamt schon in Ordnung, allerdings aufgrund der pünktlich in der Woche meiner ersten Runde beginnenden Zwischensaison schon um 10 Euro reduziert.
Der Platz lässt sich nun relativ schnell beschreiben: Nicht sonderlich lang, schön grün rechts und links, meistens einigermaßen viel Platz, aber auch nicht völlig ohne Anspruch an die Präzision. Die Grüns waren qualitativ in Ordnung, aber auch sicher keine Offenbarung. Nicht so gut waren die Bunker präpariert, die fast ausschließlich mit extrem wenig Sand auskommen mussten (but: We call them hazards). Sehr gut gelungen waren die kurzen Wege zwischen den Grüns und folgenden Tees. Hiervon gab es nur wenige Ausnahmen, zwei davon waren aber dann wieder ziemlich lang und davon eine auch noch steil. Vielleicht erahnt man es schon: Bei der zweiten Runde bin ich gelaufen, da mir die erste Runde überhaupt nicht so extrem vorkam. Diese Einschätzung kann ich nach der Runde auch bestätigen: Mein Heimatplatz Grevenmühle ist einigermaßen vergleichbar mit dem dortigen Relief, alles sehr gut laufbar.
Aber war da nicht noch etwas Besonderes an diesem Platz? Oh ja, da war was. Leider waren es nicht so viele, wie ich im Vorfeld gehofft hatte, aber es gab wirklich spektakuläre Spielbahnen! Angefangen mit der 11, die am Abschlag stehend das Kommende erahnen ließ und dann mit dem zweiten Schlag die volle Pracht zeigte: kristallklares, je nach Untergrund hell- oder tiefdunkelblaues Wasser, steile, weiße Klippen und Schläge über 30 Meter tiefe Schluchten, in denen sich lautstark das Wasser brach. Das war schon toll. Allerdings galt das nur für die halbe 11, die 12 (hier aber besonders prächtig: ein 125 Meter Par 3 über einen Abhang), die 13, die 15 und dann die 16. Letztere ist das absolute Signaturehole der Anlage: Ein kurzes Par 5, das eine Mischung aus der 1 in Machrihanish und der 9 in Turnberry ist und vermutlich auch gerne eine Kopie der 18 in Pebble Beach wäre. Links vom Abschlag sieht man die Nachbarinsel Sardinien, vor der Küste kreuzen Yachten, sowohl neue, hochglänzende Nobelhobel, als auch alte, wunderschöne Segelschiffe. Bei meiner ersten Runde spielte ich von weiß, was insbesondere, aber eigentlich auch fast ausschließlich, auf diesem Loch einen echten Unterschied ausmacht, denn von dort muss man wirklich sorgsam abwägen, wieviel Küste man überspielen kann. Auch längenmäßig war der Unterschied zum gelben Abschlag gewaltig, wie ich in der zweiten Runde feststellte, denn da hatte ich (sic!) nach einem zugegebenermaßen sehr ordentlichen Abschlag nur noch ein lockeres Eisen 8 ins Grün des Par 5; leider hat der Eagleputt die Lochkante nur rasiert.
Keine Frage also insgesamt: Korsika ist sicher keine Golfreise wert, aber wenn man dort ist, dann muss man Sperone definitiv spielen. Einige - wenn auch wenige - große Golfaugenblicke sind gewiss.

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