Unterwegs: Ostküste, Tag 1: North Berwick (Platz: Glen Golf Club)

Die Fährfahrt war grundsätzlich mal was anderes, aber alles in allem etwas langweilig. Seefahrt: Lustig, schön? Nun ja, immerhin zielführend. Die spannende Frage nach der Fährfahrt war natürlich: Wie würde ich mit dem Linksverkehr in Kombination mit dem kontinental-europäisch bestückten Fahrzeug zurecht kommen? Die eindeutige Antwort lautet: So angenehm war es noch nie. Ganz klar ist diese Art über die britische Insel zu reisen nun meine Lieblingslösung.

Ich steuerte von der Fähre kommend direkt North Berwick an. Die Fahrt dorthin habe ich auf der einfachsten Route gemacht. Die Coastal Route wäre wahrscheinlich der interessantere Weg gewesen, wenngleich die Fahrt über die A1 auch einige optische Höhepunkte hatte. Den magischen Effekt eines scheinbar schwebenden Schlosses am Meer, der durch die Reflektionen der Sonne auf der Wasseroberfläche ausgelöst wurde, war aus der Distanz jedenfalls phantastisch. Auf der Rückfahrt bin ich näher an besagtes Schloss, Bamburgh Castle, herangefahren und nun wirkte es nur noch wie ein Schloss, nicht wie ein Mythos. Trotzdem ein nettes Schloss, das leicht erhöht über dem Ort direkt an der Küste liegt.

Die letzten Kurven vor North Berwick lassen dann jedenfalls auch das dem Mythologischen nicht so zugewandte Herz höher schlagen. Von einer erhöhten Position kommend, liegt das hübschen Küstenstädtchen rechts unter einem. Der beeindruckende Bass Rock, eine vulkanische Insel, die 100 Meter aus dem Wasser ragt, macht den Blick noch spannender. In North Berwick angekommen, machte ich erstmal eine kleinen Spaziergang durch den an einem sonnigen Sonntag sehr lebhaften Ort. An den gepflegten Fassaden der Häuser und den geparkten Autos konnte man sofort bemerken, dass dieses Dorf wohl der Naherhohlungsort der begüterten Edinburgher ist. Kaum war ich von der Hauptstraße zu Fuß Richtung Meer abgebogen, war der Golfplatz als offensichtliches Herzstück nicht mehr zu übersehen. Wirklich prächtig, wie die erste und 18. Bahn des Platzes direkt in den Ort eingebettet sind. Ein Vergleich zum Old Course in St. Andrews liegt hier wirklich nah. Ich erkundigte mich im Clubhaus nach der Möglichkeit einer zu spielenden Runde für den kommenden Tag und wurde an die Starterhütte verwiesen. Auch hier wurde ich sehr freundlich empfangen und man teilte mir mit, dass ein Spiel möglich sei und der Starter versuchen würde, mich mit dem ersten Gastpaar auf die Runde zu schicken. Gut fand ich dabei die Regel, dass man das nicht tun würde, ohne die Gäste vorher zu fragen. Hätten diese dann Vorbehalte, wäre es aber kein Problem gewesen, dass ich danach alleine starte. Das Programm für den nächsten Tag war also geklärt. Auf der Suche nach Kaffee und Süßgebäck fand ich das niedliche Buttercup Café, dass ich nur empfehlen kann. Die dort angebotenen Scones mit Erdbeeren und weißer Schokolade waren wirklich köstlich und frisch. Danach kam noch ein nicht ganz unwesentlicher Teil des ersten Tages: Ich musste eine Übernachtungsmöglichkeit finden. Ich hatte die verwegene Idee, mindestens gelegentlich im Auto zu übernachten und hatte alles Notwendige hierfür dabei. Um nicht zu früh von dieser Idee abzurücken, steuerte ich zunächst den wunderbar gelegenen Campingplatz am Osteingang des Ortes an. Dort war man meinem Wunsch gegenüber, den Platz ohne den Aufbau eines Zeltes zu nutzen, aufgeschlossen und mir wurde ein Stellplatz zugewiesen. Ich entdeckte kurze Zeit später, dass der Campingplatz direkt an den zweiten Golfplatz des Ortes, Glen Golf Course, angrenzte. Der Himmel war blau, es war noch genug Tageslicht übrig und mir juckten die Finger. Für 20 Pfund ließ mich der Starter auf die späte Runde und das war wirklich ein Schnäppchen. Nicht, dass der Platz durch übermäßig originelles Design aufgefallen wäre. Die meisten Bahnen waren mehr oder weniger flach und gerade und auch nicht übermäßig ideenreich mit Bunkern oder sonstigen Hindernissen angereichert. Aber der Star des Platzes war die Aussicht. Immer wieder gab es phantastische Blicke auf bereits besagten Bass Rock, die Steilküsten waren vor allem auf der Back 9 ein häufig zu sehendes Element und die Bahn 13 erinnert ein wenig an die 7 in Pebble Beach - zumindest jemanden wie mich, der die 7 nur aus dem Fernsehen und von der Xbox kennt. Ganz sicher liegt ein riesiger Unterschied zwischen Pebble Beach und dem Glen, nämlich, dass ich Letzteren nahezu für mich alleine hatte. Und das bei strahlendem Sonnenschein. Auf der 18, auf der es vom Abschlag ungefähr 25 Meter nach unten ging, machte ich noch nahezu perfekte, satte Schläge, das Birdie wurde nur von wenigen Grashalmen verhindert und ich hatte das Gefühl, dass ein besserer Start in meinen Urlaub nur schwer vorstellbar gewesen wäre.

Die Nacht habe ich dann tatsächlich in meinem Auto verbracht. Dank eines ordentlichen Schlafsacks, einer soliden Unterlage aus Isomatte und Luftmatratze sowie des Umstandes nahezu perfekter Ruhe auf dem Campingplatz hat es auch zu stundenweisem tiefen Schlaf gereicht. Aber ich muss zugeben, dass das nicht mein Art der Nachruhe wird. Fünf Sterne müssen es für mich nicht sein, aber die beachtliche Kulturleistung Bett bejahe ich überzeugt. Nichtsdestotrotz war ich des Morgens vergnügt über die nächtliche Erfahrung, die ich meinem Schatz hinzufügen konnte. Der blaue Himmel half ebenfalls dabei, die Laune in die Nähe von Euphorie zu schrauben und so machte ich mich guten Mutes an die Vorbereitung meiner Runde auf dem berühmten West Links.

 

Externe Links:

Glen Golfclub
Tantallon Campingplatz auf Google Maps
Buttcup Café bei Tripadvisor

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