Unterwegs: Ostküste, Tag 10: Edinburgh (Golf: Tain)

Das Ende meines kleinen Ausflugs nahte nun. Ursprünglich wollte ich ja nach Süden fahren und in Boat of Garten eine Runde drehen.

Da dieser an sich tolle Platz aber schon im letzten Mai noch nicht so richtig grün war und die Temperaturen in diesem April verhältnismäßig kalt waren, zudem in den höheren Lagen noch Schnee gefallen war, entschied ich mich doch dafür, lieber noch einen Tag nördlich von Inverness zu bleiben, um dann in einer längeren Fahrt Richtung Fähre zu reisen. Ich entschied mich für ein attraktives Paket des Golfclubs Tain, den ich von meiner letzten Reise schon kannte. Hier bot man ein Stay-And-Play in Zusammenarbeit mit dem Royal Hotel an. Dieses Hotel sah von außen äußerst stattlich aus. Beim Betreten des Zimmers hatte ich den Eindruck, dass die Queen vermutlich schon etwas länger nicht mehr hier war, denn ansonsten könnte ich mir die Royalität des Etablissements nicht erklären. Nun erinnere man sich aber an den Beginn der Reise: Besser als ein Auto war das Zimmer dann doch. Das Frühstück war auch so weit in Ordnung, der Kellner brillierte durch eine wunderbar gleichgültige Schlurfigkeit. Letztlich war aber auch eh alles nicht so wichtig, denn an meinem letzten Golftag wurde ich vom Wetter mal so richtig verwöhnt. Ein nahezu wolkenloser Himmel und es war sogar ziemlich warm. Ich spielte angenehm gedankenverloren vor mich hin, hatte ein gutes Körpergefühl und abgesehen von zwei weniger guten Schlägen spielte ich ganz ordentlich. Auf der 8 stockte das Spiel plötzlich. Das Paar vor mir fing an, deutlich langsamer zu spielen. Vor ihnen war ein 3-Ball ortsansässiger Seniorinnen, die offensichtlich ein Wettspiel spielten. Bereits vorher war mir aus der Entfernung aufgefallen, dass das Paar sehr zügiges, gutes Golf spielte. Ich freute mich also, als sie mich am Abschlag der 10 fragten, ob ich eventuell mitspielen wolle. Ich bejahte und stopfte noch rasch einen Putt aus 4 Metern mit einem ordentlichen Break. Und so sollte es dann weitergehen. Vor allem lag das aber an dem überaus netten Geplauder, dass sich zwischen uns Dreien entspann. Die Beiden kamen aus North Berwick und der männliche Mitspieler war Zeit seines Lebens Mitglied in Gullane. Auf dem Gelände dieses Clubs fand 2015 die Scottish Open statt. Er war gerade in den Vorruhestand gegangen und hatte vor Kurzem begonnen, als Caddie in seinem Heimatclub zu arbeiten. Nach der Runde saßen wir noch eine ganze Weile im Clubhaus beim Essen, wir schwatzten über Sport im Allgemeinen, Golf natürlich im Besonderen, über den hohen Wert von Coaching in neuen Arbeitssituationen und sogar Politik.

So richtig wundert es mich nicht, dass ich meine beste Halbrunde des Urlaubs spielte, denn in einer Atmosphäre, die diese spezielle fröhliche, aber dennoch konzentrierte Stimmung aufweist, bei der man sich wirklich darüber freut, wenn die Mitspieler gute Schläge machen und nicht nur ein halbherziges „Guter Schlag“ gemurmelt wird, ist zumindest bei mir die Wahrscheinlichkeit besonders hoch, dass ich an meinem oberen Limit spiele.

 

Externe Links:

Boat of Garten Golfclub
Tain Golfclub
Royal Hotel, Tain

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