Unterwegs: Ostküste, Tag 6: Golspie, Mannie (Golf: Dornoch Struie)

Etwas Besonderes hatte ich mir für den nächsten Tag vorgenommen: Eine Wanderung hinauf zum Mannie. Dieses äußerst kontroverse Monument wirft seinen symbolischen Schatten vor allem über Golspie, aber eigentlich über weite Teile der Sutherlandregion.

Ich war zunächst auf die Statue aufmerksam geworden, weil sie auf dem Championshipkurs in Dornoch mehrfach die richtige Ausrichtung beschreibt. Wenn man sich dann ein wenig mit ihr beschäftigt, dann komme ich nicht umhin, ihre Existenz mindestens fragwürdig zu finden. Sie ist dem ersten Duke of Sutherland gewidmet und bildet diesen auch ab. Seine steinerne Manifestation ist ungefähr 10 Meter hoch und steht auf einem doppelt so hohen Sockel. Das wäre prinzipiell schon mächtig genug, wird aber noch deutlich dadurch übertroffen, dass das Monument auf dem Ben Bhraggie steht, einem fast 400 Meter hohen Hügel, an dessen Fuß Golspie errichtet worden ist. Das ist alles wirklich gewaltig und meine Wanderung hat sich mehr als gelohnt, die Blicke von dort oben war grandios, vier Jahreszeiten in einer Stunde waren ein Erlebnis. Die Wanderung dauert im Übrigen nicht sonderlich lang, der direkte Weg ist aber nicht ganz ohne. Wenn man einigermaßen gut zu Fuß ist, dann kann man aber in 30 bis 45 Minuten oben sein, muss dabei allerdings teilweise etwas unwegiges Gelände betreten. Was aber macht dieses Monument nun so fragwürdig? Der Duke of Sutherland, George Leveson-Gower, spielte eine gewichtige ausführende Rolle in den Clearances der Highlands. Er vertrieb eine immense Anzahl von Highland Farmern mit gewaltsamen Mitteln und trug damit erheblich zur Zerstörung der gälischen Kultur bei. Man kann sicher trefflich argumentieren, dass die wenigsten Staatsmänner der Geschichte ihren Ruhm vornehmlich auf friedlichen Handlungen aufgebaut haben und dass daher viele Monumente der Welt kritisch gesehen werden könnten, aber ein derart exponiertes Monument, das in solch bedrückender Art und Weise die Gewalt, die von einem Menschen ausging, symbolisiert, ist schon etwas Besonderes. Der steinerne Typ hat  von dort oben einen prächtigen Blick über sein ganzes fragwürdiges Lebenswerk. Dennoch ist interessant, dass die regelmäßigen Versuche, eine Diskussion darüber zu führen, die Statue zu entfernen und zum Beispiel durch ein gälisches Kreuz zu ersetzen, bisher immer durch die lokalen Strömungen vereitelt worden sind.

Am Nachmittag erwies ich dann meinem Pilgerort meine Reverenz: Dornoch. Ich fuhr in der Absicht dorthin, ein wenig vor dem Clubhaus rumzusitzen, den üblichen amerikanischen Touristengruppen dabei zuzusehen, wie sie laut und aufgeregt ihre Bälle ins Spiel bringen und dann einen Spaziergang rund um den Platz zu machen. Es war irgendwie schon klar, dass es anders kommen würde. Tatsächlich saß ich eine Viertelstunde auf der Bank vor dem Clubhaus, fragte mich, ob ich nicht unbedingt mal eine Nacht in dem fraglos perfekt gelegenen Royal Golf Hotel verbringen sollte, verneinte das für das Erste und überlegte, ob dies nicht wenigstens der richtige Tag sei, um endlich mal den kleinen Platz von Dornoch, den Struie, zu spielen. Augenblicke später stand ich dort am ersten Tee und schlug einen vergnügten Drive über die Kuppe zum Grün. Dieser Platz ist ursprünglich für die Damen des Clubs angelegt worden, wohl in der Annahme, dass Frauen nicht so viel Wert auf grandiose Blicke über den Dornoch Firth und herausragende Qualität bei Golfplätzen legen würden. Nun ja, im Laufe der Zeit ist dieser Platz noch verändert worden und ist nun auch nicht mehr bar toller Perspektiven. Schneebedeckte Hänge im Hintergrund und gelegentliches offenes Gewässer am Rande der Bahnen. Die Grüns waren makellos, sehr schnell und absolut treu. Ansonsten ist der Platz keine Offenbarung, angesichts der vielen Topanlagen in der Umgebung. In Deutschland würde man den Platz wohl als Sensation behandeln, das geschieht ja mit dem völlig überbewerteten Budersand auch. Für mich persönlich war die Runde aber mindestens in zwei Belangen herausragend. Zunächst einmal schlug ich einen der glücklichsten Drives meines Golferlebens. Ich hatte ein langes Par 4 vor mir, knapp unter 400 Metern. Ohnehin herrschte ein Rückenwind, der mich zwar nicht wirklich ins Wanken brachte, aber doch wenigstens den Versuch, den Ball in Fahnenrichtung zu schlagen, unterstützen würde. Wesentlich begünstigt wurde mein Schlag dann aber durch den Umstand, dass ich die direkt neben dem Fairway verlaufende Straße traf, der Ball dort zweimal aufsprang und dann auch noch zurück auf das richtige Fairway rollte. Dass ich noch ein halbes Gap Wedge für den Schlag zur Fahne benötigen würde, hätte ich beim Aufteen nicht erwartet. Die zweite glückliche Fügung passierte erst auf der 18. Ich konnte die Runde in einem sehr zügigen Tempo spielen, bis ich auf der 16 auf eine langsame Gruppe auflief. Da ich nun aber doch noch hätte beschleunigen müssen, um für die letzten zwei Bahnen durchzuspielen, schlug ich lieber noch weitere Bälle und erfreute mich an den schon erwähnten tollen Grüns. Auf dem 17. Grün sah ich dann, dass die Gruppe hinter mir direkt von der 15 zur 18 ging. Sie waren zu dritt und hätten Vater, Sohn und Enkel sein können. Ich fragte sie, ob sie mich auf der 18 begleiten möchten und sie mochten. Wir plauderten noch ein wenig, während wir auf das freie Grün der kurzen, aber recht trickreichen Bahn, die einen 110 Meter langen Bergaufschlag erfordert, warteten. Meine neuen Mitspieler waren Clubmitglieder in Dornoch. Nachdem wir unsere letze Bahn beendeten, luden sie mich nicht nur ein, noch mit in die Bar zu kommen, wo wir später noch fast zwei Stunden sitzen würden und quatschten. Fußball war angesichts des am darauffolgenden Wochenende angesetzten schottischen Pokalhalbfinals zwischen Celtics und Rangers kein schlechtes Thema. Viel besser war aber, dass die beiden Älteren im Clubhaus angekommen als Erstes ins Sekretariat gingen, ein Aufnahmeformular besorgten und mir zwei Empfehlungen für eine Mitgliedschaft in Dornoch schrieben. Sie meinten beide, dass es doch auf Dauer viel günstiger sei, als immer das überteuerte Greenfee zu zahlen. Welch wunderbare Willkommenskultur!

 

Externe Links:

Ben Bhraggie bei Wikipedia. Mit weiteren Verweisen zum Mannie.
Royal Golf Hotel in Dornoch
Royal Dornoch Struie Kurs

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