Unterwegs: Ostküste, Tag 2: North Berwick (Golf: North Berwick West Links)

 Als ich an der Starterhütte ankam, war der Himmel mittlerweile grau und der Wind blies, wie man es wohl linkstypisch nennt. Die Starter teilten mir mit, dass ihr Plan nicht aufgehen würde, da die beiden anderen Gäste ihr Kommen abgesagt hätten.

Das machte mich als berüchtigten Schnellspieler nicht allzu traurig. Nach Zahlung eines stattlichen und wenngleich jahreszeitlich noch reduzierten Greenfees machte ich mich dann mit einem laschen Pullhook über die Fairways der 1 und 18 auf den Weg. Ich weiß leider nicht, ob es nun am grau-rauen Wetter lag, an der langsamen Gruppe von Mitgliedern, die bis zur 6 vor mir schlichen, an dem zunächst ruppigen, dann aber ganz netten Marshal, der meine empfindliche Golferseele zu einem fett in ein Wasserhindernis gestümperten Pitch nötigte - und dies nur durch seine Blicke, wirklich erstaunlich - oder aber an den beiden Ladies, die ab der 9 überhaupt keine Anstalten machten, sich durch mich bei ihrem unfassbar langsamen Spiel stören zu lassen, aber der Platz hat mich nur an wenigen Stellen wirklich erreicht. Vollkommen außer Frage steht die um mehrere Klassen höhere Qualität im Vergleich zum am Vortag gespielte Glen. Die einzelnen Löcher sind viel interessanter angelegt, die schon oft besungene „Quirkiness“, die vor allem durch Mauern als Hindernisse und einige blinde Annäherungsschläge entsteht und selbstverständlich das vielfach in der Golfwelt kopierte Redan, ein Par 3 über zwei Hügel mit nach hinten abfallendem Grün hinterlassen schon einen bleibenden Eindruck. Im Vergleich zu meinen absoluten Favoriten Cruden Bay und Dornoch fällt der North Berwick West Links für mich ab, vermutlich könnte ich ihn auf einer Stufe mit Brora einordnen. Allerdings: Nach der Runde wurde mein Eindruck extrem aufgebessert. Der Clubsekretär empfing mich am 18. Grün und lud mich ins sehr schöne Clubhaus ein. Wir unterhielten uns eine Zeit und dann führte er mich durch das Haus, zeigte mir insbesondere den noch existierenden historischen Teil, in dem - so besagte die Legende - AJ Balfour als britischer Premierminister gelegentlich Kabinettssitzungen abhalten ließ. Bestimmt eine halbe Stunde wurde ich hier bespaßt und herumgeführt und fühlte mich wirklich willkommen.

Nach einem Mittagessen in der schicken und klassisch mit schweren Ledersesseln ausgestatteten Lounge, machte ich mich auf den Weg, da ich noch eine längere Reise vor mir hatte. Die Wetterprognosen verhießen zwar Desaströses, aber ich machte mich dennoch auf die Reise nach Aberdeen. Dort konnte ich, falls der Niederschlag und die Stürme wirklich so übel werden würden wie angedeutet, wenigstens noch eine urbane Kulturtour machen.

 

Externe Links:

North Berwick West Links
Wenn schon konservativ, dann wenigstens Querdenker - wie auch immer das gehen soll: AJ Balfour bei Wikipedia

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